VIP 2.0
10.02.2010 - Dalibor Karacic

Ich war für ein paar Tage in London. Um den dortigen lokalen Bräuchen Respekt zu zollen, habe ich die übliche Feierabend-Kultur mitpraktiziert: Diese besteht darin, sich in – und insbesondere vor – die Pubs zu stellen und sich mit vielen Leuten zu unterhalten. Zufällig kam ich mit ein paar netten Leuten über das Thema Social Media Marketing ins Gespräch. Einen Anlass gab es wohl, denn hier ging letzte Woche die Social Media Week 2010 zu Ende . Habe zwar das Gefühl, dass das Thema in London weniger große Bedeutung wie bei uns in Good Old Germany hatte, wo über die Social Media Week in Berlin fleißig berichtet wurde. Ob meine Wahrnehmung stimmt, kann ich nach so kurzer Zeit nicht beurteilen. Das ist mir an dieser Stelle aber auch nicht so wichtig.
Viel mehr interessiert mich eine kleine Beobachtung am Rande: Einer meiner Londonder Pub-Gesprächspartner war auf der Social Media Week dabei. Er fand es langweilig und beschwerte sich darüber, dass man auf dieser Veranstaltung immer die gleichen Leute trifft. In meinem Gehirn machte es laut “Klick! Das habe ich doch kürzlich auch in Deutschland gehört”. Und da fiel es mir ein: Nico Lumma, Director Social Media bei Scholz & Friends Group GmbH Hamburg hat sich in seinem Blog ebenfalls darüber aufgeregt, dass die “ewig gleiche Crowd”, “die weder Rang noch Namen” hat, sich in Berlin versammelte. Die “Welt” berichtete ebenfalls darüber, siehe http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article6233822/Suche-nach-einer-neuen-Streitkultur.html. Ich habe Nico Lummas Beitrag ´vom 01.02.2010 mit dem Titel “Same Same” http://lumma.de/2010/02/01/social-media-week-berlin-same-same/ mit großem Amusement gelesen. Viele Dinge, die ihn in dem Artikel beschäftigen, kann ich gut nachvollziehen.
Allerdings impliziert Lummas (berechtigte) Kritik auch die Forderung nach den großen Stars, nach durchschlagenden Erfolgsstorys, nach Identifikationsfiguren jenseits des allseits präsenten Sascha Lobo. Dies gelingt eigentlich immer erst dann, wenn gleich mehrere Opinion Leader nachhaltig auf ein neues Thema setzen (hier in diesem Fall Social Media Marketing) und es für sich vereinnahmen wollen. Insofern stellt sich die brisante Frage, ob erst ein “VIP 2.0″ entstehen muss, damit die vielen Menschen, die den Begriff “Web 2.0″ erst ermöglichen, mit “Web 2.0″ auch originäre, monetäre Erfolge generieren können. Ich befürchte, so könnte es kommen…
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Bezeichnend auch, dass so ein beitrag gar nicht kommentiert wird.
Die stars fehlen? Ist web 2.0 von seiner natur her denn überhaupt star-fähig? Geht es nicht eher um das warhol-prinzip, als darum, leuchttürme zu haben? Braucht diese szene überhaupt stars?
Es geht doch eher um das: Wo sind die firmen, die damit arbeiten möchten, die sich kulturell zur vernetzung hin entwickelt haben? Dort würde ich u.u. stars brauchen können aber nicht unter den agenturen.
@Links vom Diwan: Das ist genau der Punkt, den ich so bemerkenswert finde: Aus meiner Sicht sind “Stars” genau das Gegenteil vom “Web 2.0″-Gedanken. Die Szene sollte eigentlich keine Stars haben, schon gar nicht von Agenturseite.
Sie werden aber offensichtlich in der Branche gefordert. Der Grund dafür – da gib ich Dir völlig recht – könnte eher im Mangel an zwingenden Case Studies (v.a. im B2B-Segment) zu suchen sein. Also beschäftigt man sich mit sich selbst… Wenn das so weitergeht, dann könnte das eine “Energiestau”-Situation (siehe meinen neuesten Blog-Eintrag mit gleichnamigen Titel) werden. Und dann ist alles möglich…